Stapelfelder Fototage präsentieren die Vielfalt der Naturfotografie
Sigrid Lünnemann
Die Stapelfelder Fototage „Inspiration Natur“ an der Katholischen Akademie überzeugten auch in diesem Jahr mit einem beeindruckenden Programm. Drei Tage lang gaben renommierte Naturfotografinnen und Naturfotografen spannende Einblicke in ihre aktuellen Fotoprojekte. In bildgewaltigen Vorträgen zeigten sie ihren ganz persönlichen Blick auf die Schönheit der Natur und plädierten auf diese Weise eindrücklich für den Schutz und den Erhalt dieser einzigartigen Lebensräume. „Wir beleuchten die inspirierende Kraft der Natur für das Medium der Fotografie, wobei die Unterschiedlichkeit der Blickwinkel uns besonders interessieren und faszinieren. Das Genre der Naturfotografie hat sich im vergangenen Jahrzehnt weiterentwickelt und ist vielfältiger, kreativer, weiblicher und dadurch reicher geworden“, betonte Willi Rolfes in seiner Begrüßungsansprache freute sich auf ein Wochenende voller Vorfreude und Inspiration für die kommende Fotosaison.

- Zwischen Polarlichtern und dem Zauber des Nebels
Sein besonderer Dank galt den Referentinnen und Referenten Christine Averberg und Daniel Böttcher, Sandra Bartocha. Dr. Jutta Kallwitz, Dr. Hannes Petrischak, Dr. Hans-Peter Schaub, Katja Seidel, Felix Wesch sowie Frauke Fuck und Uwe Wuller für ihre Bereitschaft, Grundfragen der Naturfotografie zu thematisieren, Projekte und Fotoziele vorzustellen und auf diese Weise die Vielschichtigkeit ihres naturfotografischen Schaffens auf eindrucksvolle Weise darzustellen.
Die Döberitzer Heide, unweit von Berlin, ist ein einzigartiger Lebensraum und die Heimat von Deutschlands größter Wisentherde, freilaufenden Przewalski-Pferden und zahlreichen Vogel- und Insektenarten. Dr. Hannes Petrischak, der in der Heinz Sielmann Stiftung den Geschäftsbereich „Sielmanns Naturlandschaften und Naturerlebnis“ leitet, brachte eindrucksvolle Bilder vom oft verborgenen Leben dieser einzigartigen Tierwelt mit nach Stapelfeld. Der Zoologe begeisterte mit wunderschönen Landschafts- und Naturaufnahmen sowie spannenden Momentaufnahmen von vor Kraft strotzenden Wisentbullen, jungen Wolfswelpen und singenden Sperbergrasmücken. Zudem machte er deutlich, auf welche Weise ein komplexes und zerbrechliches ökologisches Zusammenspiel den Lebensraum prägen und das Überleben der verschiedenen Tierarten vom Wisent bis zur Wildbiene sichern.
Dr. Jutta Kalbitz nahm die Anwesenden mit auf eine poetische Reise zu ihren Sehnsuchtsorten, die vor allem im hohen Norden Skandivaviens zu finden sind. Die Fotografin faszinierte bei ihrem beeindruckenden Vortrag „Erlebte Landschaften - Bilder und Worte“ mit wunderschönen Landschaftsbildern aus den fast unberührten Wälder Schwedens und den weiten und stillen Landschaften Lapplands. In atemberaubenden Bildern zeigte sie die landschaftsformende Kraft des Wassers ebenso, wie die zarte Schönheit blühender Sommerwiesen und den Farbenrausch des Herbstes, bevor der Winter alles in einzigartige Schneelandschaft verwandelt.
Gemeinsam begeben sich Christine Averberg und Daniel Böttcher in ihrer direkten Nachbarschaft auf die Suche nach neuen Fotomotiven und werden immer wieder fündig. Dabei legen sie ihren Fokus nicht auf außergewöhnliche Landschaften, sondern auf eine kreative Bildgestaltung. In ihrem Vortrag “Natur kreativ – naturbelichtet“ zeigten sie, wie spannend auch alltägliche Motive sein können. Getreu ihrem Motto „Es gibt immer ein Motiv. Man muss es nur finden!“ begeben sie sich auf die Suche nach neuen Perspektiven und setzen dabei das natürliche Licht gekonnt ein. Dabei entstehen kunstvolle Bilder, die neugierig machen auf die Natur und die Lebenswelten direkt vor der eigenen Haustür.
Dr. Hans-Peter Schaub, Fotograf und Biologe, faszinierte mit seiner beeindruckenden Präsentation „Ein geheimnisvoller Wald – Geschichten aus dem ivorischen Taï-Nationalpark“. Mehrere Jahre lang besuchte er den Taï-Nationalpark in Côte d’Ivoire, der Elfenbeinküste, und dokumentierte in Kooperation mit Naturschutzorganisationen und verschiedenen Forschungseinrichtungen die dortige Artenvielfalt. Der Nationalpark umfasst das größte unter Schutz stehende Regenwaldgebiet in Westafrika und ist die Heimat von zahlreichen Tieren und Pflanzen. Dort entstanden unter manchmal abenteuerlichen Bedingungen faszinierende Bilder, die den ungewöhnlichen und schützenswerten Lebensraum von zahlreichen Primatenarten, Zwergflusspferde, Amphibien- und Reptilienarten sowie von unzähligen Spinnen und Insekten zeigen. Schaub machte aber auch deutlich, unter welchen schwierigen Bedingungen die Menschen in der Region versuchen, ihren Lebensunterhalt zu sichern und sich zugleich um den Erhalt ihrer traditionellen Kultur und ihres wertvollen Naturerbes bemühen.
Einen atemberaubenden Blick in den unendlichen Nachthimmel ermöglichte Katja Seidel mit ihrem Vortrag „Nacht-Lichter - Faszination Astrofotografie“. Sie nahm die Anwesenden mit auf ihre Reisen in dünn besiedelte Regionen auf der ganzen Welt, denn nur dort wird man mit einem ungestörten Blick in die Sterne belohnt. Mit ihren einzigartigen Bildern von leuchtenden Galaxien, dem geheimnisvollen Licht der Milchstraße und faszinierenden Polarlichtern zeigte sie die verborgene Schönheit unseres Nachthimmels. Katja Seidel erläuterte, mit welchen einfachen Mitteln bei guter Planung und intensiver Vorbereitung solche Bilder entstehen können. Dabei gab sie den anwesenden Fotobegeisterten wichtige Tipp für ihre erste Exkursion in Astrofotografie.
Gastgeber Willi Rolfes nahm die Anwesenden mit auf eine wunderschöne Entdeckungsreise durch eine vielfältige Landschaft „Die Hase - Vom Teutoburger Wald ins Emsland“. Auf seinen spannenden Fotoreisen entlang des kleinen Flusses in seiner niedersächsischen Heimat entdeckte er die verschiedensten Lebensräume, in denen Biber und Fischotter wieder heimisch geworden sind, der Seeadler seine Kreise zieht, der Eisvogel blitzschnell ins Wasser schießt und die Meerforelle oder der Lachs wieder flussaufwärts zu ihren Laichplätzen wandern. Aber Willi Rlfes hat nicht nur die Schönheit von Fauna und Flora im Blick, sondern zeigt auch, wie der Mensch über Jahrhunderte die Region und den Fluss geformt hat und ihm nun durch Renaturierungen wieder genügend Raum zum Fließen gibt. All dies ist aktiver Hochwasserschutz, der zugleich vielen Tieren und Pflanzen ihren Lebensraum zurückgibt. Mit seinen Bildern möchte er auch andere ermutigen, ihre heimische Region mit der Kamera in der Hand zu erkunden und sich für den Erhalt und den Schutz von wichtigen Naturräumen zu engagieren.
Auf einer sehr persönlichen Fotoreise „Nebenan“ nahm Felix Wesch die Anwesenden mit zu den verschiedenen Stationen seines Lebens. Der Naturfotograf machte auf eindrucksvolle Weise deutlich, dass die schönsten Landschaftsfotos auch direkt vor der eigenen Haustür entstehen können. Bei ihm musste zumeist nur eine Bedingung erfüllt sein: Nebel! Er präsentierte reduzierte Landschaftsaufnahmen im tiefsten Nebel, der eine geheimnisvolle Stille und Ruhe über die Natur legt. Zwischen Morgennebel und den ersten Sonnenstrahlen, die auf eine verzauberte Landschaft fallen, entstehen Fotos, die die Sehnsucht nach Ruhe und Stille sowie die Faszination von der Schönheit des Augenblicks einfangen. Dies sind die Momente von Felix Wesch.
Gemeinsam waren Uwe Wuller und Frauke Fuck drei Jahre lang in ihrer Heimat, dem Bergische Land, unterwegs und haben es fotografisch erkundet. In ihrem Bildvortrag „Bergisches Land – Landscape meets Macro“ zeigten sie die Schönheit und landschaftliche Vielfalt der Region aus ganz unterschiedlichen Perspektiven und ergänzten sich dabei perfekt. Dieser auf den ersten Blick unspektakuläre Lebensraum entfaltet zwischen Wäldern, Bächen und Talsperren faszinierende Lebensräume, die Frauke Fuck und Uwe Weller auf vielfältige Weise präsentierten.
Die Stapelfelder Fototage werden begleitet von einer ganz besonderen Fotoausstellung. 15 Naturfotografinnen und -fotografen präsentieren bis Ende Mai gemeinsam eine Auswahl ihrer Bilder, die in den letzten Jahren in verschiedenen Workshops der Katholischen Akademie Stapelfeld unter der Leitung von Willi Rolfes entstanden sind. Die renommierte und preisgekrönte Fotografin Sandra Bartocha setzte sich in der begleitenden Podiumsdiskussion „Fotografie inszenieren – Konzepte und Praxis der Ausstellungsgestaltung“ mit dem Konzept und der Entstehung der Gemeinschaftsausstellung auseinander. Für viele Protagonisten war es die erste öffentliche Ausstellung ihrer Fotos und so berichteten sie über persönliche Erfahrungen, Herausforderungen der Ausstellungsgestaltung und den manchmal nicht ganz einfachen Weg der Auswahl der passenden Bilder. Ihr Dank ging an Willi Rolfes, der die kuratorische Leitung übernommen hatte, und ihnen die Zuversicht geben hat auch in Zukunft ihre sehenswerten Bilder einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Fotos: Angela von Brill, Willi Rolfes
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